Feindflug & Feuersturm – Hollywood und der Untergang der deutschen Städte



Hollywood und der Bomberkrieg

Propaganda-Filme gab es im Zweiten Weltkrieg nicht nur in Hitler-Deutschland. Es gab sie auch in den USA. In William Wylers Film The Memphis Belle sehen die Filmemacher Hermann Pölking und Martin Sündermann den wohl bis heute besten Propaganda-Film der Geschichte. Sündermann, der vor allem als Kameramann arbeitet, zitiert als Zeugen eine heutige Hollywood-Größe. „Steven Spielberg hat 2017 in einer Netflix Serie das von Wylers Team gedrehte Material in The Memphis Belle insbesondere der Luftaufnahmen als ‚eines der großartigsten Dinge, die ich je gesehen habe‘ bezeichnet. Dem schließe ich mich an.“

William Wylers Film ist gedreht auf 16mm Kodacolor ein Heldengesang in Farbe auf junge Männer aus Chicago, Detroit, Ashfield, Spokane, Greenway, Yonkers und Arapahoe. Mit ihrem Boeing-B-17 Bomber (Kosename Memphis Belle, genannt nach der Freundin des Piloten), starten sie in England zu Tagesangriffen auf Stellungen und Städte des Feindes in Deutschland und Frankreich. Für Hermann Pölking trägt auch der Text von Hollywood-Drehbuchautor Lester Koenig entscheidend zur Wirkung bei. „Koenigs Schnörkellosigkeit schafft Pathos aus Beiläufigkeit, seine Lakonie wirkt irgendwie treibend. Und manchmal gestattet der Text dem Sprecher Bemerkungen, die die Zustimmung des Publikums gekonnt unaufdringlich einholen.“

Um dieses Meisterwerk filmischen Erzählens haben Pölking und Sündermann ihren Kompilationsfilm Feindflug und Feuersturm – Hollywood und der Untergang der deutschen Städte kompiliert. Zwischen einigen Dreharbeiten zu Hollywood-Filmen in den Jahren 1942 bis 1947 meldete sich William Wyler immer wieder freiwillig zum Dienst als Major bei der First Motion Picture Unit der Air Force. Er führte bei zwei Dokumentarfilmen Regie; neben The Memphis Belle: A Story of a Flying Fortress noch im Jahr 1947 bei Thunderbolt!.

Wyler drehte The Memphis Belle unter einem großen persönlichen Risiko. Bei tatsächlichen Bombenangriffen über feindliches Gebiet flog er 1943 mit. Bei einem dieser Flüge verlor er aufgrund von Sauerstoffmangel das Bewusstsein. Wylers Mitarbeiter, der Kameramann Harold J. Tannenbaum (im militärischen Rang eines Oberleutnants) wurde während der Dreharbeiten am 16. April 1943 in einer B-24-Liberator abgeschossen. Er machte im Auftrag Wylers als dessen erster Tontechniker Aufnahmen, als der Bomber auf dem Rückflug von Brest explodierte. Laut Verlustberichten wollte Tannenbau noch mit dem Fallschirm abspringen, rutschte jedoch beim Sprung aus diesem heraus. „Im Einsatz gefallen“ vermerkt die Verlustliste der United States Army Air Forces.

The Memphis Belle produziert hat die First Motion Picture Unit der US-Airforce. Die Einheit war 1942 gegründet worden, um in US-Kinos mit Propaganda vor dem Hauptfilm schnell 100.000 Piloten und fliegendes Personal für den Krieg in Europa zu gewinnen. Es entstanden in den nächsten Jahren 400 Dokumentarfilme, einige in Farbe. Zum Stammpersonal der Unit gehörten neben Major William Wyler der Studio-Boss Oberstleutnant Jack L. Warner, Major Clark Gable und Oberleutnant Ronald Reagan.